Eben sah das Becken noch klar aus, jetzt liegt ein brauner Film auf den Steinen, an den Stängelpflanzen hängen grüne Fäden, oder an den Blatträndern sitzen dunkle Büschel. Algen gehören zu den häufigsten Ärgernissen im Pflanzenaquarium. Die gute Nachricht: Jede Algenart erzählt dir etwas über dein Becken. Wenn du weißt, womit du es zu tun hast, kannst du gezielt an der Ursache arbeiten.
Kieselalgen und Fadenalgen kenne ich aus meinen eigenen Becken. In diesem Artikel lernst du die häufigsten Algenarten zu unterscheiden, erfährst, was sie typischerweise auslöst, und bekommst eine klare Reihenfolge an die Hand, wie du vorgehst.
Warum Algen überhaupt wachsen
Algen sind keine Fremdkörper im Aquarium. Ihre Sporen sind praktisch in jedem Becken vorhanden. Ob sie wachsen, hängt davon ab, wie viel Platz ihnen die Pflanzen lassen. Algen nutzen, was übrig bleibt: Licht, das die Pflanzen nicht verwerten, Nährstoffe, die nicht verbraucht werden, und Phasen, in denen die Bedingungen schwanken.
Deshalb ist ein kräftig wachsender Pflanzenbestand der beste Schutz gegen Algen. Gesunde Pflanzen verbrauchen Nährstoffe, nehmen Licht weg und lassen Algen wenig Spielraum. Umgekehrt zeigt dir ein Algenproblem fast immer, dass das Zusammenspiel aus Licht, CO₂ und Nährstoffen gerade nicht passt.
Ein bisschen Algenbelag ist übrigens völlig normal. Ein leichter Film auf der Scheibe, der alle ein, zwei Wochen weggewischt wird, ist kein Problem. Handeln lohnt sich, wenn sich Algen schnell ausbreiten oder Pflanzen überwachsen.
Die häufigsten Algenarten auf einen Blick
| Aussehen | Wo sie auftauchen | Typischer Auslöser | Erste Maßnahme |
|---|---|---|---|
| Brauner, weicher, leicht abwischbarer Belag | Scheiben, Steine, Blätter | Frisch eingerichtetes Becken | Abwischen, abwarten, Wasserwechsel |
| Harte grüne Punkte | Scheiben, langsam wachsende Blätter | Viel Licht, oft wenig Phosphat | Mit Klinge abschaben, Phosphat prüfen |
| Grüne Fäden | An Pflanzen und Hardscape | Licht und Nährstoffe übersteigen den Bedarf der Pflanzen | Aufwickeln und entfernen, Licht reduzieren |
| Dunkle, feste Büschel | Blattränder, Holz, Steine, Filterauslass | Schwankendes CO₂, organische Belastung | Befallene Blätter entfernen, CO₂ stabilisieren |
| Schmieriger, blaugrüner Film, muffiger Geruch | Bodengrund, strömungsarme Ecken | Wenig Strömung, oft niedriges Nitrat | Absaugen, Strömung verbessern, Nitrat prüfen |
| Grünes, trübes Wasser | Im ganzen Becken | Viel Licht, plötzlicher Nährstoffüberschuss | Verdunkeln, UV-Klärer, Ursache abstellen |
Kieselalgen - der braune Start
Kieselalgen bilden einen braunen, weichen Belag, der sich leicht abwischen lässt. Sie tauchen vor allem in den ersten Wochen nach dem Einrichten auf, wenn die Pflanzen noch nicht richtig wachsen und das Becken sich erst einspielt. Kieselalgen brauchen Silikat, das in vielen Leitungswässern und frischen Bodengründen vorhanden ist.
In einem neuen Becken sind sie fast normal. Wisch sie bei jedem Wasserwechsel ab und gib dem Becken Zeit. Sobald die Pflanzen kräftig wachsen, verschwinden Kieselalgen meist von selbst. Rennschnecken und Otocinclus fressen sie gern, wenn das Becken für diese Tiere schon geeignet ist. Wie die Algenphasen in einem neuen Becken typischerweise ablaufen, erklärt Die optimale Einfahrphase für schnelles Pflanzenwachstum.

Grüne Punktalgen - hart und hartnäckig
Grüne Punktalgen sitzen als kleine, harte, kreisrunde Punkte auf der Scheibe und auf langsam wachsenden Blättern wie Anubias. Abwischen funktioniert kaum, du brauchst eine Klinge oder einen Scheibenreiniger.
Häufig treten sie bei kräftigem Licht auf, wenn gleichzeitig wenig Phosphat im Wasser ist. Ein Phosphattest gibt dir hier eine erste Orientierung. Auf den Blättern langsamer Pflanzen sind sie schwer zu entfernen. Stark befallene alte Blätter schneidest du am besten ab.
Fadenalgen - wenn Licht und Nährstoffe übrig sind
Fadenalgen bilden grüne, mal feine, mal grobe Fäden, die sich um Stängelpflanzen, Moos und Hardscape legen. Sie wachsen schnell und können ganze Pflanzengruppen überziehen. Typischerweise entstehen sie, wenn mehr Licht und Nährstoffe da sind, als die Pflanzen gerade verwerten. Das passiert oft in einem jungen Becken, nach einer Lichterhöhung oder nach einem großen Rückschnitt.
Entfernen lassen sich Fadenalgen gut mechanisch. Steck eine alte Zahnbürste oder einen Holzspieß zwischen die Fäden und dreh ihn, sodass sich die Algen aufwickeln. Danach geht es an die Ursache. Ist das Licht für die aktuelle Pflanzenmenge zu stark oder zu lange an? Dann dimmst du etwas herunter oder verkürzt die Beleuchtungsdauer. Wichtig ist auch, dass CO₂ und Düngung zum Licht passen. Amanogarnelen sind dabei gute Helfer, weil sie feine Fadenalgen fressen. Warum zu viel Licht Algen so leicht macht, erklärt Mehr Licht, mehr Algen? 7 Fehler bei der Wahl deiner Aquariumbeleuchtung.
Pinselalgen - dunkle Büschel an den Kanten
Pinselalgen, oft auch Bartalgen genannt, bilden dunkelgrüne bis schwarze, feste Büschel. Sie sitzen bevorzugt an Blatträndern langsam wachsender Pflanzen, an Holz, an Steinen und am Filterauslass. Einmal festgesetzt, lassen sie sich kaum abwischen.
Pinselalgen hängen häufig mit schwankendem CO₂ zusammen. Steigt der CO₂-Gehalt morgens zu langsam an oder bricht er im Laufe des Tages ein, nutzen sie diese Phasen. Auch eine hohe organische Belastung durch zu viel Futter, Mulm oder einen verschmutzten Filter begünstigt sie.
Befallene Blätter schneidest du ab, denn Pinselalgen verschwinden nicht von selbst. Danach ist die CO₂-Versorgung dran. Vergleiche die Farbe des CO₂-Dauertests zu Beginn und am Ende der Lichtphase. Liegt sie über die ganze Beleuchtung im grünen Bereich, ist die Versorgung stabil. Wie du die Anlage gleichmäßig einstellst, steht in CO₂ im Aquarium richtig einstellen. Eine gute Strömung, die das CO₂ im ganzen Becken verteilt, ist dabei genauso wichtig wie die Gasmenge.
Blaualgen - eigentlich gar keine Algen
Blaualgen sind genau genommen Cyanobakterien. Sie bilden einen schmierigen, blaugrünen bis dunkelgrünen Film, der sich in Lappen abziehen lässt und muffig riecht. Meist beginnen sie am Bodengrund und in Ecken mit wenig Strömung.
Begünstigt werden sie durch schwache Strömung, viel organisches Material und oft durch sehr niedriges Nitrat. Sauge die Beläge gründlich ab, verbessere die Strömung in den betroffenen Bereichen und miss den Nitratwert. Bei starkem Befall kann eine Verdunkelung helfen: Das Becken bleibt für einige Tage komplett dunkel, abgedeckt mit Decke oder Pappe, CO₂ aus und gut belüftet. Danach saugst du die Reste ab und machst einen Wasserwechsel.
Schwebealgen - wenn das Wasser grün wird
Wird das ganze Wasser grünlich trüb, sind es Schwebealgen. Sie schweben einzeln im Wasser und lassen sich nicht abwischen. Auch Wasserwechsel helfen oft nur kurz, weil sich die Algen schnell wieder vermehren. Auslöser sind häufig viel Licht zusammen mit einem plötzlichen Nährstoffüberschuss, etwa nach dem Umgraben von Soil.
Sehr wirksam ist ein UV-Klärer, der die Algen beim Durchfluss abtötet. Alternativ hilft eine Verdunkelung über einige Tage. Wichtig ist, danach die Ursache abzustellen, sonst kommt das grüne Wasser wieder. Mehr zu klarem Wasser findest du in Die 7 besten Tipps für glasklares Wasser.
In welcher Reihenfolge du vorgehst
Gegen Algen hilft selten eine einzelne Maßnahme. Bewährt hat sich diese Reihenfolge:
- Bestimmen. Welche Algenart ist es? Die Tabelle oben hilft dir bei der Einordnung.
- Mechanisch entfernen. Abwischen, aufwickeln, absaugen oder befallene Blätter abschneiden. So nimmst du den Algen die Masse und siehst später, ob neue nachwachsen.
- Ursache angehen. Licht, CO₂, Nährstoffe, Strömung oder Sauberkeit? Ändere immer nur einen Faktor, damit du weißt, was gewirkt hat.
- Pflanzen stärken. Schnell wachsende Pflanzen nehmen Algen Nährstoffe weg. Gerade in neuen Becken lohnt sich eine dichte Bepflanzung von Anfang an.
Algenfresser wie Amanogarnelen, Otocinclus oder Rennschnecken sind eine gute Unterstützung. Sie beseitigen aber nicht die Ursache. Wenn das Ungleichgewicht bestehen bleibt, wachsen die Algen schneller nach, als die Tiere fressen.
Woran du erkennst, dass es besser wird
Der wichtigste Hinweis ist, ob auf frisch gereinigten Flächen neue Algen nachwachsen. Wischst du die Scheibe ab und bleibt sie danach länger sauber, bist du auf dem richtigen Weg. Bei Pflanzen achtest du auf die neuen Blätter: Bleiben sie frei, während die alten noch befallen sind, wirkt deine Änderung.
Wie lange das dauert, hängt von der Algenart ab. Kieselalgen verschwinden oft schon nach einigen Wochen, wenn das Becken einläuft. Pinselalgen auf alten Blättern bleiben dagegen sichtbar, bis du die Blätter entfernst. Gib jeder Änderung mindestens ein bis zwei Wochen, bevor du die nächste machst. So vermeidest du, dass du ständig an mehreren Stellschrauben gleichzeitig drehst.
Häufige Fragen zu Algen im Aquarium
Sind Algen schädlich für Fische?
Die meisten Algen sind für Fische unbedenklich, viele Tiere fressen sie sogar. Problematisch werden sie vor allem für Pflanzen, die überwuchert werden und weniger Licht bekommen. Blaualgen können bei starkem Befall die Wasserqualität belasten und sollten deshalb zügig angegangen werden.
Hilft ein Algenmittel?
Algenmittel bekämpfen das Symptom, nicht die Ursache. Solange das Ungleichgewicht bestehen bleibt, kommen die Algen zurück. Manche Mittel können außerdem empfindliche Pflanzen und Wirbellose belasten. Ich würde immer zuerst an Licht, CO₂, Nährstoffen und Pflege arbeiten.
Wie lange dauert die Algenphase in einem neuen Becken?
Das ist von Becken zu Becken unterschiedlich. Häufig folgen auf Kieselalgen grüne Beläge oder Fadenalgen, bevor sich das Becken stabilisiert. Eine dichte Bepflanzung, regelmäßige Wasserwechsel und ein nicht zu starkes Licht in den ersten Wochen helfen, diese Phase kurz zu halten.
Soll ich bei Algen weniger düngen?
Nicht automatisch. Wenn die Pflanzen zu wenig Nährstoffe bekommen, wachsen sie schlechter, und Algen haben noch mehr Platz. Prüfe zuerst, ob Licht und CO₂ passen. Erst wenn klar ist, dass mehr Nährstoffe im Wasser sind, als die Pflanzen verbrauchen, reduzierst du die Düngung.
Wie oft sollte ich bei Algen das Wasser wechseln?
Regelmäßige Wasserwechsel entfernen überschüssige Nährstoffe und organisches Material. Bei akutem Befall kann ein zusätzlicher Wechsel pro Woche helfen. Kombiniere ihn mit dem Absaugen der Algen, damit sie nicht wieder im Becken landen.
Warum kommen die Algen immer wieder zurück?
Meist ist die eigentliche Ursache noch nicht behoben. Algen wachsen nach, solange Licht, Nährstoffe oder schwankende Bedingungen ihnen einen Vorteil verschaffen. Notiere dir, was du änderst, und gib jeder Maßnahme Zeit. So findest du heraus, welcher Faktor bei deinem Becken den Ausschlag gibt.